Die
Geschichte vom Wölkchen.
Es war ein wunderschöner Frühlings morgen. Die Sonne lachte
vom Himmel, die Vögel zwitscherten ihre Lieder und der Wind spielte
mit den Grashalmen auf der Wiese. Ulli lag lang ausgestreckt mitten
auf der seiner Lieblingswiese und beobachtete die Schmetterlinge dabei
wie sie von Blume zu Blume flatterten. Wie er so einem Zitronenfalter
hinterher sah, erspähte Ulli plötzlich etwas sehr eigenartiges
auf seiner Wiese. Er ist fast jeden Tag hier, aber so etwas hatte er
noch nie gesehen.
Er schlich sich langsam heran um nicht bemerkt zu werden. Ulli konnte
immer noch nicht erkennen was es war. Es sah aus wie Nebel, sehr dichter
Nebel und es war ziemlich groß. Er schlich sich also näher
und näher, und nun konnte Ulli auch etwas hören. Es klang
als würde jemand weinen und schluchzen. Ulli kam das alles doch
sehr merkwürdig vor und er überlegte ob er nicht lieber nach
Hause gehen sollte, denn er hatte auch ein wenig Angst. Dann aber dachte
er: „Wenn dort jemand weint hat das bestimmt auch einen Grund.
Ich sehe lieber einmal nach."
Nun sah er wie sich aus dem Nebel ein Gesicht formte. Ulli fasste sich
ein Herz und ging darauf zu. Als er kurz davor stand fragte er: „Warum
bist du so traurig?" und nach einer kleinen Pause sagte er noch: „Ich
hab so etwas wie dich noch nie gesehen."
„ Doch, du hast mich schon gesehen. Ich bin schon oft über dich hinweg
geflogen, wenn du hier auf der Wiese gelegen hast. Ich bin ein Wölkchen." Ulli
war platt. „Ein Wölkchen bist du? Aber Wolken fliegen am Himmel und
liegen nicht auf der Wiese." platzte es aus ihm heraus.
„ Ja." antwortete ihm das Wölkchen. „Ich hab dich immer
ein wenig beneidet, wenn ich dich gesehen habe. Ich dachte mir, wie schön
es doch sein müsse so auf der grünen Wiese zu liegen und den Schmetterlingen
zuzusehen. Na ja, und heute Morgen hab ich es einfach mal versucht."
Ulli platzte dazwischen: „Du bist einfach vom Himmel auf die
Wiese herunter gekommen? Ja geht denn das so einfach?"
Das Wölkchen schluchzte, dann sagte es: „Das Herunter fliegen
war ganz einfach. Ich hab mich ein wenig auf die Wiese gelegt und hab
das getan was du auch immer tust. Es hat mir großen Spaß gemacht.
Nach einiger Zeit wollte ich wieder nach oben fliegen, aber es ging
nicht. Seit dem sitze ich hier. Ich hab es noch ein paar Mal versucht,
aber leider ohne Erfolg."
„ Oh weh." sagte Ulli „Da sitzt du ja ganz schön in der
Klemme. Was willst du jetzt tun?"
„ Ich weiß nicht. Kannst du mir nicht helfen?" Das Wölkchen
sah wirklich sehr traurig aus als es Ulli fragte. Da konnte er einfach nicht
Nein sagen. Ulli wusste ja auch, das Wolken nun einmal an den Himmel gehören
und nicht auf eine Wiese. Also sagte er zu dem Wölkchen: „Ich werde
es versuchen, aber wir brauchen bestimmt noch Hilfe. Allein schaffen wir das
nicht."
„ Wen willst du um Hilfe bitten wir sind doch hier ganz allein?" sagte
das Wölkchen.
Ulli lächelte und sprach: „Wenn du mir hier unten auf der
Wiese zugesehen hast, dann sehen uns deine Wolkenfreunde da oben am
Himmel auch. Wir müssen sie nur auf uns aufmerksam machen."
Das Wölkchen hatte gleich ein Lächeln auf dem Gesicht.
Als nächstes sah man einen Jungen laut rufen und mit wild wedelnden
Armen und Händen auf der Wiese herumlaufen. Das Wölkchen
hatte aus ihrem Körper auch zwei Arme und Hände geformt und
machte es Ulli nach. Sie winkten und riefen und sahen nach oben an
den Himmel, wo in diesen Moment eine richtig große Wolke vorüber
schwebte. Ulli rief: „Wölkchen sieh nur die Wolke ist so
groß, die kann uns bestimmt helfen." Das Wölkchen rief
gleich noch einmal so laut und wedelte noch heftiger mit den Armen.
Die große Wolke am Himmel sah zuerst nur Ulli und dachte: „Ach
was hat der Junge heute für einen Spaß." Dann aber
sah die große Wolke auf der Wiese etwas was da gar nicht hin
gehörte. Nämlich das Wölkchen, das immer noch wild mit
den Armen wedelte. Die große Wolke hielt direkt über Ulli
an und fragte was denn passiert sei. Sie hatte ein kleines Schmunzeln
auf den Lippen, denn es sah wohl auch sehr merkwürdig aus.
Das kleine Wölkchen erzählte nun etwas verlegen der großen
Wolke von ihrem Missgeschick. Worauf die laut zu lachen anfing uns
sagte: „Also, ich hab ja in meinem Leben schon viel gehört
und gesehen, aber so etwas noch nicht."
Ulli fragte nun: „Große Wolke, du kannst dem Wölkchen
doch gestimmt helfen. Es möchte wieder an den Himmel, aber allein
schafft es das nicht."
„ Nun ja." sprach die große Wolke „Ich habe so etwas zwar
noch nie gemacht, aber wir werden es schon schaffen."
Kaum hatte die große Wolke ausgesprochen fing sie damit an sich
auch ein Paar Arme und Hände aus ihrem Körper zu formen.
Danach fasste sie das Wölkchen an beide Hände und sagte: „Ich
werde jetzt versuchen dich wieder an den Himmel zu ziehen. Wenn ich
Hauruck sage geht es los."
Kurz darauf tönte es auch schon laut: „Hauruck, Hauruck!"
Die große Wolke zog aus Leibeskräften und Ulli schob jetzt
auch noch von unten mit. Sie gaben sich alle große Mühe.
Dann war es geschafft. Das Wölkchen war wieder am Himmel, wo es
hingehört.
„ Ulli ich danke dir so für deine Hilfe und auch dir große Wolke.
Ich mache auch nie wieder so einen Unsinn." Das Wölkchen war sehr glücklich
als es das sagte.
Ulli war auch erleichtert. Er verabschiedete sich von seinen neuen
Freunden und legte sich wieder auf seinen Lieblings platz auf die Wiese
und ruhte sich von diesem Abenteuer aus. Allerdings sah er die Wolken
und Wölkchen, die an ihm vorüber zogen nun mit anderen Augen
an.